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Deutsche Glasbranche sieht Wachstumschancen: Export als Konjunkturmotor

Das zarte Pflänzchen Wirtschaftswachstum wird in Deutschland zur Zeit nahezu ausschließlich vom Export genährt. Die Glasbranche ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Die deutschen Hersteller von Glasmaschinen und -anlagen erwirtschafteten zuletzt 73% des Umsatzes durch den Export. Insgesamt zählt die Branche in Deutschland nach Angaben der Fachabteilung Glasmaschinen und -anlagen im VDMA rund 100 Hersteller von Maschinen und Anlagen zur Herstellung, Be- und Verarbeitung sowie für das Handling von Flach-, Hohl- und Spezialglas. Mit etwa 4.000 Mitarbeitern wird jährlich ein Umsatz von rund 600 Mio. Euro erwirtschaftet. Die wichtigsten Kunden und damit entscheidend für die Nachfrage nach Glasmaschinen und -anlagen sind die Hersteller von Flachglas (hauptsächlich für die Bauwirtschaft und Automobilindustrie) sowie die Produzenten von Behälterglas für die Konsumgüterindustrie. Die Hauptexportmärkte für die deutschen Hersteller von Glasmaschinen und -anlagen waren 2003 Osteuropa, Fernost und zum Teil der Nahe und Mittlere Osten. Bezogen auf einzelne Länder sind vor allem China und Russland als wichtige Absatzmärkte hervorzuheben. Auftragseingänge nehmen zu Deutsche Hersteller von Maschinen und Anlagen zur Produktion und Bearbeitung von Flachglas erzielten 2003 einen Umsatz von ca. 144 Mio. €. Auch wenn die Umsätze im ersten Quartal 2004 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch einmal um 33% sanken, sieht die Branche optimistisch in die Zukunft. Denn der Wert der Auftragseingänge als Indiz für die Geschäftsentwicklung der kommenden Monate lag Anfang 2004 mit über 50 Mio. € im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 40% höher. Damit werden im Exportgeschäft neue Rekordzahlen anvisiert: Im ersten Quartal 2004 kamen insgesamt 93% der Auftragseingänge aus dem Ausland. Ursache dafür ist eine Entwicklung, deren Tendenz sich bereits im vierten Quartal 2003 abzeichnete: eine kräftig gestiegene Nachfrage aus den Ländern in Fernost. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzehnfachte sich im ersten Quartal 2004 der Auftragseingang aus Asien. Dazu kam ein leichter Anstieg der Nachfrage aus Nordamerika (plus 7,5%) und dem Nahen Osten (plus 6,5%). Die Inlandsnachfrage ging dagegen weiter um 30% und der Auftragseingang aus EU-Ländern um 45% zurück. Damit kam Anfang 2004 fast die Hälfte aller Aufträge aus Asien (48%), es folgten die EU-Länder mit 25,5%, Nordamerika mit 12%, Osteuropa mit 5,6% und Nahost mit 5,4%. Gefragt sind ganzheitliche Lösungen Aufgrund sinkender Preise für den Rohstoff Glas, der geringen Nachfrage nach hochwertigem Wirtschaftsglas und einer Marktkonzentration bei den Herstellern von Tableware war die Investitionsbereitschaft für neue Maschinen in diesem Segment 2003 sehr gering. Während der Schwerpunkt der deutschen Hersteller auf Maschinen für die Produktion von hochwertigem Kristallglas liegt, war abnehmerseitig vor allem Massenglas gefragt. Behaupten konnten sich 2003 jene Unternehmen, die ganzheitliche Lösungen anbieten können. Ähnlich sieht die Lage im Bereich der Maschinenhersteller für die Flaschenproduktion aus. Seit Ende letzten Jahres werden hier jedoch wieder einige Aufträge verzeichnet, insbesondere aus Zentraleuropa und Fernost. Optimistisch für 2004 sind auch die Hersteller von Maschinen und Anlagen für die Röhrenglasproduktion, die in diesem Jahr zumindest eine leichte Bewegung im Markt erwarten. Auch hier sind die Hauptexportmärkte Fernost und Russland. Insgesamt ist die Branche der Glasmaschinen- und Anlagenhersteller mit dem Geschäftsverlauf 2003 zufrieden. Dies gilt vor allem für jene, die frühzeitig auf den Export gesetzt haben. Glasindustrie hofft auf 2005 Für die deutsche Glasindustrie war 2003 das zweite Rezessionsjahr in Folge. Nach Angaben des Bundesverbandes der Glasindustrie e.V. sank der Branchenumsatz im vergangenen Jahr insgesamt um 2,1% auf 7,9 Mrd. €. Hauptursache war der überdurchschnittlich starke Rückgang im Inlandsgeschäft, das um 3,7% auf 5,0 Mrd. € abnahm. Im Ausland erreichte die Branche mit 2,9 Mrd. € dagegen einen um 1% höheren Umsatz als im Vorjahr. Damit erhöhte sich die Exportquote von 34,8% in 2002 auf 36%. Die Zahl der Beschäftigten fiel um 2,4% auf 57.625 Mitarbeiter. Auf dem deutschen Markt litt die Glasindustrie vor allem unter der müden Baukonjunktur und der anhaltenden Investitionsschwäche. So konnte nur der Bereich Mineralfasern mit einem Umatzanstieg um 5,1% auf 1,0 Mrd. € einen signifikanten Zuwachs verzeichnen. Bei Flachgläsern für den Bau notierte man im Inland dagegen deutliche Absatzrückgänge. Bei Flachglas (Basisglas) betrug das Minus 6,7% (auf 0,66 Mrd. €). Der mit 35% Anteil am Gesamtmarkt größte Sektor, die Flachglasveredelung, verzeichnete einen Umsatzrückgang um 2,4% auf 2,8 Mrd. €. Die Hersteller von technischen Gläsern und von Spezialgläsern mussten ebenfalls spürbare Einbußen beim Inlandsabsatz hinnehmen: 1,3 Mrd. € bedeuten einen Rückgang um 6,2%. Stark betroffen von der Konsumzurückhaltung der Verbraucher war die Kristal- und Wirtschaftsglasbranche. Der Umsatz lag mit 0,56 Mrd. € um 3,8% unter dem des Vorjahres. Die Behälterglasindustrie verzeichnete auf dem Inlandsmarkt hingegen ein leichtes Plus von 0,7% auf 1,56 Mrd. €. Die starken Absatzeinbußen bei Einweggetränkeflaschen als Folge des Pflichtpfandes wurden durch den sommerlichen Nachfrageschub und vorübergehend durch erhöhte Bestellungen bei Mehrwegflaschen ausgeglichen. Trotz einer geringen Dynamik im Auslandsgeschäft konnten die deutschen Glashersteller 2003 das Vorjahresniveau insgesamt leicht übertreffen. Einbrüche gab es beim Export von Spezialgläsern und technischen Gläsern sowie von Konsumwaren aus Glas (Kristall- und Wirtschaftsglas), deren Verkaufschancen im Ausland unter der Euro-Aufwertung erheblich litten. Rückläufig war auch der Auslandsabsatz von Basisflachglas. Die übrigen Produktbereiche verzeichneten dagegen Zuwächse im Auslandsgeschäft. Talsohle wird 2004 durchschritten Nach Verbandsangaben waren in den ersten Monaten des Jahres 2004 Auftragseingang und Umsatz weiterhin rückläufig. Dabei sorgte weder das Inlandsgeschäft noch der Export für spürbare Impulse. Deshalb erwartet die Glasindustrie für 2004 noch keine durchgreifende Verbesserung der Lage, obwohl sich in den ersten Monaten des Jahres die Produktionsauslastung in den Unternehmen leicht erhöhte. In der Branche ist man jedoch zuversichtlich, die Talsohle im Verlauf des Jahres zu durchschreiten. Sie hofft dabei auch auf verstärkende Impulse durch die „glasstec 2004“. Für 2005 rechnet die Glasindustrie sogar mit einen nachhaltigen Aufschwung. Risiken für diese Entwicklung sieht die Branche besonders in einigen politischen Maßnahmen. Vor allem vom C02-Emissionshandel, dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und der LKW-Maut befürchtet man deutlich höhere Belastungen für die Unternehmen. Hinzu kommen strukturelle Sondereinflüsse wie die negativen Auswirkungen des Zwangspfands auf Einweggetränkeverpackungen und der Einbruch der Märkte für Bildschirmgläser. Deutsches Glaserhandwerk optimistisch Auch das Glaserhandwerk als dritte Säule der deutschen Glasbranche konnte die lange Konjunkturschwäche und Investitionszurückhaltung in allen Bereichen nicht unbeschadet überstehen. Vor dem Hintergrund spektakulärer Umsatzrückgänge und Firmenzusammenbrüche erwies es sich jedoch nach Ansicht des Bundesinnungsverbandes des Glaserhandwerks (BIV) einmal mehr als widerstandsfähig und konnte flexibel auf alle Widrigkeiten reagieren. Mit etwa 4 Mrd. € entfallen auf das Glaserhandwerk rund 10% des Gesamtumsatzes des deutschen Handwerks. Zwar konnten nicht alle Betriebe mit Auftragsbeständen von mehr als vier Monaten in das Jahr gehen, doch erwartet die Branche eine zunehmende Investitionsfreudigkeit und sieht deshalb mit leichtem Optimismus in die Zukunft. Zudem ist man im Verband sicher, dass von der „glasstec 2004“ konkrete positive Konjunktursignale ausgehen werden. Für die Zukunft sieht sich das deutsche Glaserhandwerk technologisch gut vorbereitet. Zudem setzt man darauf, über die traditionelle Marktorientierung hinaus neue Zielgruppen anzusprechen. Beispiele dafür sind die Solar- und Sicherheitstechnik, aber auch die verstärkte internationale Ausrichtung deutscher Handwerksunternehmen. Mit Hinblick auf die EU-Erweiterung gilt es, vor allem in Osteuropa Flagge zu zeigen und durch hohe Qualitätsstandards den sich ständig verändernden Kundenbedürfnissen zu entsprechen. Angesichts der großen Ziele und Herausforderungen legt das Glaserhandwerk viel Wert auf das Thema Aus- und Weiterbildung. So soll auch zukünftig die "Lernkultur"´ im deutschen Glaserhandwerk einen hohen Stellenwert behalten. Trotz der angespannten Wirtschaftsituation bilden viele Glaserbetriebe weiterhin Lehrlinge aus. Nach Angaben des BIV gilt dies für fast 70% aller deutschen Betriebe des Glaserhandwerks.

08.09.2004, Pressereferat glasstec 2004

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